Erhaltenswerter Wolschart (Kärntner Woche, 15.Dezember 2010)
In der Morgendämmerung, wenn der Fuchs noch am Waldrand steht und das Rotwild die Zufahrtswege in den Forst quert, wenn die ersten Scheinwerferlichter der Autos von der Schnellstraße S 37 die Waldränder streifen, gehe ich tiefer hinein in die tief verschneiten Niederungen des Forstes.
Spiritueller Raum
Die Sonne geht auf, weit unten im Süden schimmert der Längsee wie ein ferner Diamant und die Luft im Wald ist klar und rein. Ich rieche den frischen Pulverschnee, dessen Kristalle in der Morgensonne funkeln. Wie verlassen steht Maria Wolschart mit dem uralten Wirtshaus, der Kirche und der Holzkapelle auf einer Lichtung in der Morgendämmerung.
Der Wolschartforst darf uneingeschränkt als spiritueller Raum bezeichnet werden: 1748 entstand im Wolschart nach einer wundersamen Heilung um ein Gnadenbild ein Marienkult, der tausende Menschen aus Kärnten, Krain und Obersteiermark anlockte.
Bischöfliche Genehmigung
1787 wird die heute noch bestehende Holzkapelle Maria Sieben Schmerzen errichtet. 1841 lässt Gustav Graf Egger im Wolschart nach bischöflicher Genehmigung eine Kirche bauen. Einige Jahre danach wurde neben der Kirche das Mesnerhaus, ein Biedermeierbau errichtet, in dem bald ein geschäftstüchtiger Mesner den Wolschartwirt gab.
Ein Kleinod mitten im Wald: Die Kirche in Maria Wolschart
Die Gegend im Advent zu durchwandern, lohnt die Mühe. Unter der Oberfläche, jenseits touristischer Wahrnehmung, wartet manche bezaubernde Überraschung. Hier entdeckt man Naturschönheiten und architektonische Besonderheiten, die ihren Reiz gerade aus dem Kontrast zu modernen Kulturlandschaften gewinnen.
Sagenumwobener Forst
Je mehr man sich auf den Wolschart und sein Umland einläßt, desto vielschichtiger wird das Bild. Eine stattliche Anzahl von Natur- und Kulturdenkmälern tragen zur Schönheit des sagenumwobenen Forstes bei. Oft unbeachtet, jedoch ebenso faszinierend ist, was die Alltagskultur an Eigenart hervorgebracht hat. Beim Wandern, der wohl schönsten Form des Reisens, läßt sich diese Landschaft am besten lesen. Im Advent offenbart uns dieser weite spirituelle Raum bezaubernde, stille Einblicke.
Text: Andreas Schaubach, Klagenfurt – Andrea Reintaler, Klagenfurt – Hannes Leeb, St.Veit an der Glan

